Thin Client#

Ein Thin Client ist ein möglichst einfach aufgebauter Rechner, der einen Bildschirmarbeitsplatz zur Verfügung stellt, ohne ein eigenes Betriebssystem zu besitzen. Der Benutzer arbeitet gar nicht direkt auf dem Client, sondern auf einem zentralen Server (z.B. dem LinuxTerminalServer LTSP).

Für gewöhnlich hat ein Thin Client keine eigene Festplatte (oder andere Laufwerke) und lädt somit auch sein Betriebssystem über das Netzwerk. Wir bezeichnen dies als DisklessClient. Manche fertigen Thin Clients enthalten jedoch bereits ein Betriebssystem (im Flash-Speicher), das z.B. einen X-Server darstellt. In diesem Falle erübrigt sich die Installation eines LTSP-Systems.

selbstgemacht (Reaktivierung eines alten PCs)#

Am einfachsten (und oft auch am preiswertesten) ist es, einen alten PC zu benutzen. Entweder stellt man in BIOS das Booten vom Netzwerk per PXE ein oder baut eine zur Netzwerkkarte passende Boot-CD oder Boot-Diskette (was dann doch wieder ein Laufwerk bedeutet). Die Festplatte kann man weglassen (oder drinlassen, dann hat man das alte System noch zur Hand).

Diese Methode eignet sich wirklich auch für alte Rechner. Ich selber habe mit Rechnern ab 400 MHz und 128 MB Speicher gearbeitet und dabei keinen Unterschied festgestellt. Auch 64MB sollten für einen LinuxTerminalServer ausreichen. Spürbar besser ist, wenn LTSP den richtigen Treiber für die Grafikkarte findet. Arbeiten kann man aber auch mit dem VESA-Treiber, der überall gleich funktioniert. Ab ca. 1 GHZ-Prozessor dürfte auch das egal werden.

Will man einen klassischen DisklessClient haben, d.h. Betriebssystem und Applikation laufen auf dem Client und der Server stellt nur eine NFS-Festplatte zur Verfügung, braucht man natürlich auch größere Ressourcen (d.h. wie bei einem normalen System).

Wenn man einen neuen Rechner benötigt, braucht man einen Laden, wo sie einem einen Computer "ohne alles" verkaufen. So etwas bekommt man knapp über 200,- €. Ist man sich sicher, daß man das Gerät nur als Thin Client benutzt, kann man bei Prozessor und Speicher einfach das kleinste mögliche nehmen. Alles andere lässt man weg. Dennoch sollte man überlegen, ob nicht ein spezieller Hardware - Thin Client besser geeignet ist.

Fertige Hardware#

Natürlich gibt es Firmen, die den von mir beschriebenen "ohne-alles-PC" fertig anbieten. Diese gehen dann jedoch noch einige Schritte weiter. Man bekommt zumeist ein viel kleineres Gehäuse, das auf dem Schreibtisch sogar todschick aussieht. Man bekommt Stromsparprozessoren, die für heutige PC-Verhältnisse viel weniger leisten, aber weniger Strom brauchen und vor allem nicht gekühlt werden müssen. Abwärme bedeutet immer auch Verschleiß! Und deshalb bekommt man auch eine viel kleinere Stromversorgung ohne Lüfter. Der eigentliche Trafo ist meist außerhalb des Geräts (wie beim Laptop). Damit hat ein solches Gerät keine beweglichen Teile mehr, was keinen Lärm und wesentlich erhöhte Lebensdauer bedeutet.

Der verringerte Stromverbrauch bedeutet übrigens eine Ersparnis von ca. 50,- € im Jahr.

Vor- und Nachteile#

Mit einfachen Worten: Diese Lösung ist schick und sparsam. Dafür ist das Gerät natürlich für nichts anderes zu benutzen. Einige Basteleien, die lokale Applikationen (z.B. für schnelle Grafik) benötigen, fallen ebenfalls aus. Wo man bei einem "normalen" PC vielleicht einen MPlayer oder einen Browser mit Flash-Plugin lokal laufen lassen kann, fällt das hier meistens wegen Speicher und Geschwindigkeit aus. - Andererseits gibt es Thin Clients zu kaufen, die auch das bieten, aber dann wirds schnell teuer.

IGEL#

Ich habe etwas Erfahrung mit einem Igel 2100 Smart (ca. 265,- €). Andere vergleichbare Geräte dürften jedoch ähnlich zu betreiben sein. Das Gerät enthält ein eigenes Client-Betriebssystem (in meinem Fall Windows CE, gibts aber auch mit Linux und X-Server), allerdings ist mir mein LTSP - das vom Netz bootet - lieber, weil ich den Client dann besser anpassen kann. Nach einigem Geteste kam ich darauf, daß man beim booten mit Entf in ein ganz gewöhnliches PC-BIOS kommt, wo man dann Booten vom Netzwerk einstellen kann. Die genaue Einrichtung des Servers steht auf der Seite LinuxTerminalServer.

Das Gerät steht im Moment auf dem Schreibtisch. Es ist ungefähr so groß wie mein erstes Modem, das ich in den 80ern gekauft habe. Jeder, der es sieht, glaubt nicht, daß das den Kasten ersetzt, der noch in der Ecke steht.

Der Igel hat problemlos einen bestehenden PC-Client abgelöst. Es war nichts zu konfigurieren (lediglich den DHCP-Server wie bei jedem Client).

Besonderheiten mit dem Igelchen

Leider scheint der via-Grafiktreiber beim Mauscursor nicht ordentlich zu funktionieren. Ich musste für LTSP in der lts.conf folgende Änderung einfügen:

[igelchen]
        XSERVER = vesa

Alternativ kann man den VIA-Treiber richtig konfigurieren, was aber eine eigene XF86-Config bedeutet und deshalb ein bisschen mehr Arbeit ist. In die lts.conf kommt dann:

[igelchen]
        XF86CONFIG_FILE = xorg.conf.igelchen

Und nach /opt/ltsp/i386/etc/xorg.conf.igelchen kommt eine passende XF86-Config. Eine Grundlage kann man aus dem Terminal im Verzeichnis /tmp/ bekommen. Dort fügt man dann folgende "Device"-Sektion statt der vorhandenen ein:

Section "Device"
        Identifier "Card00"
        Driver     "via"
        Option  "HWCursor"      "false"
        Option  "SWCursor"      "true"

Bei der Grafikkarte handelt es sich um das PCI-Device 1106:3122 (VIA Technologies, Inc. VT8623 [Apollo CLE266] integrated CastleRock graphics). Die Doku zum via-Treiber steht auf http://xorg.freedesktop.org/releases/X11R7.0/doc/html/via.4.html