Dieser Artikel ist sicherlich für die meisten Linux-Interessierten völlig uninteressant. Obwohl Novell mit seinem Netzwerk-Betriebssystem "Netware" in den 80ern den Markt der Firmenserver dominiert hat, spielt dieses Protokoll im Zeitalter der IP-Intranets kaum noch eine Rolle. Trotzdem kann in so mancher Firma (z.B. meiner) noch ein alter Novell-Server in der Ecke herumstehen und seinen Dienst verrichten.
Wäre es da nicht schön, wenn man auf die Volumes (d.h. Laufwerke) dieses Servers von seiner Linux-Maschine aus zugreifen könnte? Nun gut!
Mein Novell-Server läuft unter Netware 4.11. Es wird nicht TCP/IP zur Kommunikation benutzt, sondern ein Novell-eigenes Protokoll namens IPX/SPX. Für unsere Zwecke brauchen wir davon nur den IPX-Teil. (Übrigens kann TCP/IP und IPX problemlos auf ein und demselben Ethernetkabel gleichzeitig gefahren werden, da andere Ethernet-Frametypen verwendet werden. Das System der Frametypen stammt noch aus einer Zeit, als noch nicht jeder bei der Kreation eines Standards darauf geachtet hat, daß andere damit nichts anfangen können.) Wie üblich bezieht sich die Anleitung auf Debian Linux.
Da IPX in keinem Standardkernel drin sein dürfte, kommt man um eine Koernelkompilierung nicht herum. Wichtig ist, sowohl bei den Netzwerkeinstellungen IPX zu aktivieren als auch bei den Filesystemen das ncpfs.
Folgende Debian-Pakete sind zu installieren:
ipx ncpfs
Im Prinzip muss das Netzwerk-Interface erstmal normal eingerichtet werden und dann mittels des Befehls ipx_interface für IPX konfiguriert werden. Darum brauchen wir uns aber nicht wirklich zu kümmern, weil die Debian-Startskripten uns das abnehmen. In die Datei /etc/network/interfaces kommt folgender Eintrag:
iface eth0 ipx dynamic
frame 802.3
Es kann gut sein, daß ein anderer Frametyp genommen werden muss. Probiert ggf. mal 802.2 aus oder lest die manpage von ipx_interface.
Jetzt das Interface neu initialisieren mit
ifdown eth0 ifup eth0
und mit ifconfig sollte man sehen, daß IPX-Daten für das Interface existieren. Wenn das so ist, kann man mit den Befehlen nwsfind und slist den Server anzeigen lassen. Falls der Server nicht gefunden wird, stimmt was nicht. :-(
ich habe folgende Zeile in /etc/fstab eingefügt:
servername:/sys /mnt/novell ncpfs noauto,server=SERVERNAME,volume=SYS,user=USERNAME,nopasswd,uid=65534,gid=65534 0 0
Der erste Eintrag kann auch anders aussehen und direkt den Usernamen enthalten. Komischerweise kann dort aber nicht der Pfad bzw. das Volume stehen (was ich dort hingeschrieben habe). Bei meinem guten alten RedHat 5.2 ging das nämlich so...
wichtig ist, daß man unter Debian noauto verwendet. Das ncp-Filesystem wird nicht richtig als Netzwerksystem erkannt und deshalb ansonsten gemountet, bevor die Netzwerkinterfaces oben sind. Also nicht automatisch mounten sondern von Hand oder ein eigenes Startskript schreiben, das entsprechend später ausgeführt wird und das Volume mountet.
Will man ein NCP-Verzeichnis doch normal maunten, so muss man folgendes in /etc/init.d/mountnfs.sh vor der Zeile mit "case "$MTPT" in" einfügen:
# -TB-
# Ich brauche IPX, was komischerweise erst viel spaeter
# eingerichtet wird statt bei den anderen Netzwerksachen
case "$FSTYPE" in
ncp|ncpfs)
/etc/init.d/ipx start
;;
esac
# -TB-
# entweder bin ich doof oder hier fehlt das wichtigste...
# also fuege ich es hier mal ein:
/bin/mount $MTPT
Die richtige manpage für die Optionen kommt mit man mount.ncp.
-- ThomasBayen
BTrieve ist eine von Novell eine Zeit lang vertriebene Datenbank. Ich habe mich eine Weile mal damit beschäftigt. Um dieses sehr spezielle Thema hier nicht zu sehr zu strapazieren, habe ich es auf die Seite BTrieveDatenbank ausgelagert.
Es gibt ein Projekt namens Mars
, mit dem man einen Novell-Server unter Linux bekommen kann. Wer es genauer braucht (weil er z.B. eine BTrieveDatenbank braucht wie ich), kann versuchen, ein vollständiges Netware in einer Virtualisierung laufen zu lassen. Geschafft habe ich das selber auch noch nicht. Hoffnungsvolle Ergebnisse einer Installation hatte ich aber mit Novell 4.11 unter VirtualBox (QEmu ergab bei der Installation ganz früh einen schwarzen Bildschirm) und mit Novell 5.1 nur unter Bochs
(QEmu und VirtualBox hängen beide an der gleichen Stelle beim Entpacken einer Java-Klassenbibliothek).
Inwiefern es möglich ist, ein vorhandenes (bereits installiertes) System in eine virtualisierte Umgebung zu überführen, werde ich demnächst mal austesten.
Interessante Links für Leute, die sich auch heute noch mit Netware beschäftigen (müssen):
- deutsche Natware-FAQ mit vielen Tips und Tricks
- Installationsanleitungen u.a. für Novell auf VMWare, hilft auch ohne selbiges
- Fehlerpatch von Novell, der evtl. damit zu tun hat, das Netware nicht mehr auf neueren Rechnern läuft
- Super Toolsammlung, u.a. auch zur BTrieveDatenbank
Mich würde interessieren, wie du das Passwort-Problem praktisch löst. Hast du einen eigenen User auf dem Novell-Server angelegt? Außerdem finde ich es nicht gerade besconders prickelnd das Passwort im Klartext in ein Skript oder in die fstab reinzuschreiben. -- LinuxWiki:BennySiegert