Mensch Computer Interaktion (auch MCI)#
Hier geht es in ersteinmal um eine Vorlesung der UNI
. Eine grobe Zusammenfassung aus dem Skript, die in dem Zusammenhang MCI eine prägende Rolle spielen.
Der Usability Prozess #
- Anforderungsanalyse
Akteure, Aufgaben, Organisation, Kontext - Funktionale Gestaltung
Informationen, Funktionen, Prozess - Konzeptionelle Userinterface-Gestaltung
Sichten, Navigationstruckturen - Konkrete Userinterface-Gestaltung
Infopräsentation, Interaktionen - Realisierung
- Einführung und Nutzung
- Prototyping / Inkrementelle Entwicklung
- Evaluation
(formativ und summativ)
Das Usability ein fortlaufender Prozess ist, wird dem ein oder anderem nicht neu sein. Ferner ist aber auch die Auffassung von gut oder auch schlechtem Design meist vom Personenkreis abhängig. Wir definieren in bei der MCI folglich verschiedene Personengruppen.
| Strategie/Modell | Annahmen | Implikationen |
|---|---|---|
| "allwissender" Nutzer | perfektes Wissen über Struktur, keine Fehler | Hypothetisches Best-Case Szenario, effiziente Pfade auch hier wichtig |
| Optimale Rationalität | Nutzer entscheiden rational, erinnern Pfad, Backtracking | ebenfalls hypothetisch, aussagefähige Link Hinweise wichtig |
| Heuristisch (Satisficing) | Nutzer vermeiden Planen und Erinnern, sichtbare Info als Entscheidungsbasis | Seiten müssen selbständig "funktionieren", wichtige Info und Links direkt erkennbar |
| Mental Map | Nutzer inferiert Site-Struktur, Vermeidung Shortcuts | leicht erschließbare Navigationsstruktur, gute Übersichtsfunktionen |
| Auswendiglernen | erfolgreiche Pfade werden erinnert und wiederholt | offensichtliche und effiziente Pfade, Orientierungshilfen |
| Information foraging | lokales Sammeln in 'patches'. Übergang zum nächsten Patch, Schätzung Nutzen und Kosten | 'Information Scent' verstärken: wie stark weist die nahe liegende (proximale) Info (Links) auf die entfernt liegende (distale) hin |
| Kostenbasiert | beschränktes Wissen und Ressourcen, Tradeoffs zu Ressourcenbeanspruchung | Mentale Kosten minimieren, sense making, multiple Strategien unterstützen |
Was ist Navigation? #
Navigation bezeichnet die diskrete oder kontinuierliche Bewegung des Benutzers zwischen oder innerhalb unterschiedlicher Sichten oder Teilsichten eines interaktiven Systems, wobei sowohl nutzer- als auch systemgesteuerte Transitionen auftreten können.
Diskrete versus kontinuierliche Navigation #
- diskrete Navigation
- System besteht aus diskreten
(einfachen oder zusammengesetzten Sichten auf Informationsinhalte oder Funktionalität) - Sichten abgebildet in einzelnen Fenstern, Masken, Toolbars etc.
- Navigation besteht aus Transitionen zwischen Sichten wobei die Ausgangssicht erhalten bleiben oder verschwinden kann
- Beispiele: Links in Dokumenten
- System besteht aus diskreten
- kontinuierliche Navigation
- Nutzer verändert kontinuierlich die Sichtbarkeit und Perspektive einer Informationspräsentation
- unterschiedliche Metaphern: Bewegung im Raum (2D,3D), Bewegung auf Zeitstrahl, Papierstreifen, Film etc.
- Beispiele:
Scrolling im Fenster, 3D Darstellung von Dokumenten
Zoom Interfaces (Pad++, Jazz University of Maryland)
räumliche Bewegung in virtuellen Welten, 3D Desktop oder auch Task Gallery
Navigation in abstracten Informationsstrukturen: Hyperbolic Trees
- hybride Formen
- Mischung diskret-kontinuierlich
- Beispiele: Fenster mit Scrolling, Links zwischen 3D-Welten etc.
Konzeptioneller Entwurf der Benutzerschnittstelle #
Es stellen sich grundlegende Fragen:
- Wie werden die Inhalte und Funktionen des funktionalen Entwurf dem Nutzer präsentiert?
- Wie kann sich der Nutzer darin bewegen?
- Definition von Sichten.
abstrakte Bildschirm-/Fennsterinhalte.- Wie werden Informationsobjekte abgebildet, welche Teile, in welcher Kombination.
- Anordnung von Sichten.
- Wie sieht die Systemgesamtstruktur aus. (information architecture)
- Navigationstrukturen und Suchfunktionen
- Sichtennavigation: Bewegung zwischen unterschiedlichen Sichten als Ganzes (Fenster, Bildschirmmasken, Dialogboxen)
- Teilsichtennavigation: Navigation ersetzt einen Teil einer zusammengesetzten Sicht (Webpage mit Navigationsbereich, Explorer-Darstellung)
- Sichteninterne Navigation: Bewegung durch Felder einer Maske, Teilabschnitte eines Dokumentenfensters.
- Grundkonzepte für die Gestalltung des Userinterfaces.
Metaphern, verwendete Muster
Informationsmodell versus Sichtenmodell #
Informationsmodell #
Abstraktes Modell der Informationsobjekte Aufgaben und Operationen
Sichtenmodell #
Einzelen Sichten und Strukturen
Die logische Struktur der Inhalte sind Ausgangspunkt für Navigationstrukturen, aber nicht identisch damit. Sichten können Ausschnitte aus Informationsobjekten anzeigen. Sichten können als zusammengesetzte Teil-Sichten konstruiert werden. (MVC Muster
)
Navigationsentwurf #
Grundfragen der Navigation nach Nievergelt
- Wo bin ich?
- Wohin kann ich gehen?
- Woher komme ich?
- Aufgabenangemessenheit.
effiziente Navigationsstrukturen - Struktur erfassen.
Benutzer muss mentales Modell entwickeln können, um die zugrundeliegenden Strukturen zu erschließen - Konsistente Gestalltung.
Reduktion der Gedächnisbelastung - Eindeutige Navigation.
Ausgangspunkte für Navigationsschritte (Navigationsanker) müssen klaren Hinweis auf das Ziel geben - Unbekannte Inhalte durch Exploration erschließbar machen
- Nutzerziele sind nicht hinreichend klar, nur Teilmerkmale bekannt oder unscharfe Attributdefinition
- Variabilität des Suchziels und der Suchstrategie im Verlauf
- Unterstützung des Wayfinding, Vorwissen des Nutzers für Verständnis für Struktur und Bedeutung beachten
- Wie lang dürfen Auswahlmenüs sein?
- Eher breite oder tiefe Navigationstrukturen?
- Wie viele Navigationstrukturen dürfen auf eine Seite?
- Wie viele Einträge in einer Ebene?
- Wie viele Ebenen?
- Wie sollten Menüs organisiert sein?
Design Patterns, Beschreibungselemente #
| Name | Aufgabe | Beispiel |
|---|---|---|
| Name | möglichst sprechende Bezeichnung für das Muster | Sitzmauer |
| Kategorie | Zuordnung zu einer Klasse von Mustern | Nummer: 243 |
| Kontext | In welchen Anwendungen, Umgebungen oder Situationen ist das Entwurfsmuster einsetzbar? | Garten an einer ruhigen Straße |
| Problem | genaue Beschreibung des zu lösenden Problems, der Benutzeraufgabe | An vielen Stellen sind Mauern und Zäune zwischen Außenbereichen zu hoch; gibt es jedoch überhaupt keine Grenze, kommen die feinen Unterschiede zwischen den Bereichen nicht zur Geltung |
| Einflussfaktoren (Forces) | welche Faktoren sind für die Gestaltung zu berücksichtigen | Bauliche gegebenheiten, Gezetze, Verordnungen |
| Lösung | prägnante Beschreibung einer erprobten Lösung auf geeignetem Abstraktionsniveau | |
| Wirkungen | erwartete/mögliche positive und negative Wirkungen beim Einsatz des Musters | |
| Abhängigkeiten | Zusammenwirken mit anderen Entwurfsmustern |
Verwendung von Entwurfsmuster #
- semantische Organisationsmuster
- bestimmen das inhaltliche Grundkonzept, das zum Aufbau der Navigationsstruktur verwendet wird
- Strukturmuster (entsprechend Datenstruktur), wie Liste, Sequenz, Baum, Tabelle, Netz
- Strukturelle Mapping-Muster
- beschreiben die Art der Abbildung einer Content-Struktur auf die Navigationsstruktur
- Sichtenmuster
- Sichten für Einzelobjekte, Kollektionssichten
- Präsentations- und Analogiemuster
- z.B. Verwendung von Metaphern zur Darstellung der Navigationsstruktur
Grundformen der Organisation von Navigation:
- themen-/informationsbezogene Organisation
- aufgabenbezogene Organisation
- Einzelaufgabe/Geschäftsvorfälle
- Prozessbasierte Navigation (Aufgabenabläufe)
- Zusammenfassung:
Ziele/Aufgaben der Nutzer identifizieren (Aufgabenmodell)
Inhalte und Funktionen entsprechend Aufgabe zusammenfassen
standardisierte, formalisierte Aufgaben: Geschäftsvorfälle
Aufgaben können wiederum nach Ereignissen/Lebensituationen/Geschäftsvorfällen gruppiert werden.
- prozessbezogene Organisation
- Vorgangsleisten
- Task Bar mit statusabhängiger Aktivierbarkeit von Bearbeitungsschritten
- Darstellung durch Piktogramme/Texte mit Grausteuerung
- z.B. intelligente Vorgangsmappe
- Vorgangsassistenten
- sequentielle Führung durch die Bearbeitungsschritte
- Bildfolge mit Vorwärts-/Rückwärts-Schaltung
- Anwendung bei komplexen Entscheidungen/Verzweigungen
- dynamische Formulare
- dyn. Steuerung des Inhalts und der Aktivierbarkeit von Formularinhalten
- Übersicht über Gesamtzustand bleibt erhalten
- Vorgangsleisten
- rollen-/nutzergruppenbezogene Organisation
- personalisierte/adaptive Navigation
- relevanzbezogene Organisation
- chronologische Organisation
- konventionelle (z. B. alphabetische) Organisation
- weitere Subformen oder auch Mischformen
Navigationshilfen #
- Inhaltverzeichnis, Site Maps
- Metaphorische Darstellungen
(Gerätemetapher)- Verwendung bekannnter Konzepte und Strukturen
aus der Erfahrungwelt des Nutzers zur
Unterstützung der intuitiven Orientierung- Bedeutung der unterschiedlichen Elemente
- Erkennen des aktuellen Standorts (Metapher!)
- konkret: Desktop, Buch, Haus, Fotoalbum, Fahrzeug...
- abstrakt: Standort, Navigation (!),
Begrifflichkeiten z.B. aus Film, Zeitungen... - Übertragbarkeit der Struktur wesentlich
- Metaphernbrüche können auftreten
- Verwendung bekannnter Konzepte und Strukturen
- Guided Tour
- Geographische Karten
- Suchmechanismen, Summarization
- Preview-Funktionen
- Dynamische Visualisierung von Informationsstrukturen
Navigationsmodellierung #
- Navigationsmodell
Beschreibung der Gesamtheit der Bewegungsmöglichkeiten des Nutzers durch den Informationsraum - Navigation
ein konkreter Bewegungsablauf - Besteht aus Knoten (Sichten) und gerichteten Kanten (Transitionen, Navigationsübergängen..)
- unterschiedliche Formalisierungsgrade
- zur Kommunikation mit den Anwendern
- zur Spezifikation der Entwicklung
- zur automatischen Generierung
- Informelle Darstellungen
- Sitemaps: Diagrammdarstellung einzelner Web-Seiten und Übergänge
- Storyboard: Anreicherung durch grobe Skizzen der Seiteninhalte
- Zustandsübergangsdiagramme (Zustandsautomaten)
- Statecharts (hierarchische Zustandsübergangsdiagramme)
- Petri-Netze und darauf basierende Methoden sowie zahlreiche navigationsspezifische Erweiterungen der Grundtechniken
Darstellung von Zuständen #
| Zustand | Darstellung |
|---|---|
| selektierbar und aktivierbar | normale Darstellung |
| gegenwärtig aktivierter Schritt (Autoaktivierung erster?) | Fett-Darstellung |
| nicht aktivierbar, nicht selektierbar | Graudarstellung |
| abgeschlossen (bleibt selektierbar, um Aktionen einzusehen, kann zur Änderung noch aktiviert werden) | abhaken |
| abgeschlossen committed (keine Änderung, nur Gegenaktion möglich) | abhaken + Zusatz (z.B. Haken ausgegraut) |
| pending (in Bearbeitung, nicht abgeschlossen) | Pending-Symbol (z. B. offene Mappe) |
Gestaltungsregeln bei prozessbasierter Navigation #
- klare Darstellung des aktuellen Prozesszustands
- aktueller Schritt (am bestem im Kontext des gesamten Prozessablaufs)
- bereits abgearbeitete Schritte
- was ist der nächste (mögliche) Schritt
- welche bereits durchlaufenen Schritte können nochmals aktiviert werden
- Ablauf so flexibel wie möglich gestalten
- Rücksprünge
- Direktsprung zu späteren Schritten, falls keine Abhängigkeit
- Ändern von wichtigen Parametern auch in späteren Schritten
- Status speichern
(falls möglich) für Rücksprung, Unterbrechung und späteres - Wiederaufnehmen
- Exkurse aus dem Prozess ermöglichen (falls sinnvoll)
- Gesamtübersicht über das Ergebnis bisheriger Eingaben
- entweder bei jedem Schritt zeigen
- oder vor Abschluss des Vorgangs (auf jeden Fall vor Kauftransaktionen)
- automatisches Überprüfen von Konsistenzregeln flexibler als sequentiell durchlaufener Entscheidungsbaum (aber: Realisierung aufwändiger)
Zusammengesetzte Navigationssichten #
- Kombination mehrerer Teilsichten, ggf. mit
- unterschiedlichen Organisationsmustern
- unterschiedlichen Strukturmustern
- Typisches Beispiel für komposite Navigationssichten
Webpage (Startseite) - die meisten Webpages weisen komposite Navigationsstrukturen auf!
- Typisches Beispiel für komposite Navigationssichten
- Berücksichtigung unterschiedlicher Nutzererwartungen und -aufgaben
- schnelle Vermittlung des Genres und Leistungsumfangs einer Site
Strukturelle Navigation #
Die strukturelle Navigation beschreibt den rein syntaktisch-strukturellen Aufbau von Navigationsstrukturen. Hier gibt es zwei unterschiedliche Bereiche zu berücksichtigen.
- Struktur der Inhalte
nach verschiedenen Organisationsmustern strukturiert - Struktur der sichtbaren Navigationselemente
navigationale Sichten
Strukturmapping Muster #
Das Standardmuster ist bei einem hierarchischem Inhalt, auch eine hierarchische Navigation zu haben. Weiter gilt, dass jede inhaltliche (konzeptuelle) Struktur auf unterschiedliche Navigationsstrukturen (Sichten und Transitionen) abgebildet werden kann. Der Normalfall (Standardmuster) ist es den Inhaltsstrukturtyp auf den gleichen Navigationsstrukturtyp abzubilden. Andere Abbildungen sind hierbei aber genau so gebräuchlich.| Von | Nach | Folge |
|---|---|---|
| komplexe Informationsstruktur | einfache Navigationsstruktur | Informationsverlust |
| einfache Informationsstruktur | komplexere Navigationsstruktur | Verwendung von Suchen, Guppierungen, Sortierungen in der Oberfläche. |
Grundlegende Strukturtypen #
Alle Strukturtypen können sowohl im Inhaltsbereich wie auch im Navigationsbereich auftreten.
- Netz
allgemeine gerichtete oder ungerichtete Graphen - Hierarchie
Baumstrukturen - Tabellen
relationale Struktur von Elementen (Zeilen und Spalten) - Liste oder Sequenz
geordnete Kollektion von Elementen - Menge
ungeordnete Kollektion von Elementen
| Netz | Objekt auf Panel | Liste traversierter Knoten oder Pfade | Aufspannder Baum | Grafisches Netzwerk |
|---|---|---|---|---|
| Hierarchie | Objekt auf Panel | einstufiges Menü oder Pfad (Breadcrumbs ) | Expandierender Baum | Relationengraph |
| Liste | Objekt auf Panel | Menüliste | Gruppierbare Liste | Relationengraph |
| Menge | Objekt auf Panel | Sortierbare Liste | Gruppierbare Menge | Relationengraph |
| Menge | Liste | Hierarchie | Netz |