Im Zeitalter von Voice over IP (VoIP) ist es eine interessante Sache, seine Telefonie auch über sein Linux-System abzuwickeln. Wir benötigten für unser Unternehmen eine neue Telefonanlage und natürlich wollte ich da etwas haben, das offen ist und alles kann. Deshalb fiel die Wahl schnell auf Asterisk
als Telefonieserver. Gleichzeitig wollte ich allerdings nicht zu viel selbst konfigurieren und einen Support haben, der nicht nur mir als alter Linuxer, sondern auch normalen Telefonierern im Unternehmen hilft. Eine dritte Anforderung war, das wir zur Zeit noch ISDN-Leitungen von Vodafone gelegt haben. Ich brauchte also einen Hardware-Anschluss, um diese ansteuern zu können.
Grundsätzlich kann man, wenn man eine Telefonanlage haben möchte, diese irgendwo in der Cloud installieren, einen Provider wählen, der dies bereits fertig getan hat, eine Anlage im heimischen Netz auf einem freien Rechner oder einer virtuellen Maschine selbst installieren oder eine spezielle Hardware benutzen.
Askozia #
Auf Grund meines ISDN-Problems habe ich mich entschieden, eine Hardware der Firma Askozia
zu erwerben. Diese enthält vier ISDN-Ports (dargestellt durch Openvox B400P Karten) und hat eine Bauform, um in einem Rack installiert zu werden. Außerdem enthält sie eine angepasste und vorkonfigurierte Version eines Asterisk-Servers. Das ist sozusagen eine kommerzielle Distribution. Inwiefern diese jetzt vom original Asterisk abweicht, sie besser oder schlechter ist, werden wir sehen. Da Askozia einem einen root-Zugang zu dem Server gewährt, sollte es möglich sein, einiges zu ändern und im Zweifelsfall das ganze System auszutauschen. Wir werden sehen...
Tipps & Tricks #
Hier sammle ich einige Dinge, die mir bei der Einrichtung des Askozia-Servers aufgefallen sind.
eingehende Anschlüsse #
Für jeden eingehenden physikalischen Anschluss, d.h. für analoge oder ISDN-Leitungen, die per Hardware in die Anlage hineinführen, muss zuerst ein Telefonanschluss konfiguriert werden.
Im nächsten Schritt wird dann ein Telefonprovider eingerichtet. Ein Provider kann dann auf den oben eingerichteten ISDN-Anschluß zugreifen. Ein Provider kann aber auch per Internet auf einen VoIP-Anbieter wie z.B. sipgate
verweisen.
ISDN-Zugang MSN und Anlagenanschluß konfigurieren #
Der Server wurde mit vier ISDN-Ports geliefert, von denen drei Eingänge sind (also zur Telefongesellschaft) und einer ein Ausgang (um ein Telefon anzuschließen). Hierbei gab es einige Besonderheiten. ICh besitze hier sowohl einen MSN- als auch einen Anlagenanschluß, weshalb ich beides hier beschreiben kann.
MSN #
Dieser Anschluß ist einer, der normalerweise von Privatpersonen benutzt wird. Er erlaubt es, mehrere getrennte Rufnummern zu verwalten.
Der Telefonanschluss muss mit der Signalisierung PTP und dem Switchtype EuroISDN eingerichtet werden.
Beim Provider habe ich einige besondere Einrichtungen vorgenommen. Man kann unter "eingehende Wählmuster" eine seiner Telefonnummern wie "12345" angeben. Dann wird diese Nummer an das daneben eangegebene Telefon (bzw. die Rufgruppe) weitergeleitet. Wird keine Nummer angegeben, werden alle eingehenden MSN-Nummern weitergeleitet.
Die Anruferkennung kann man ebenfalls beim Provider angeben. Es kann aber auch Sinn machen, diese später im Telefon zu konfigurieren. Im Provider muss entsprechend eingestellt werden, ob eine zentrale genommen wird oder die beim Telefon gewählte. Eine Anruferkennung hat die Form "215112345 <215112345>". DAbei ist meine Ortsvorwahl 02151 und meine Rufnummer 12345. Andere Formate gingen bei mir nicht.
Rufnummernunterdrückung
Es war nicht so einfach, dafür zu sorgen, das nach außen keine Rufnummer signalisiert wird. Ich habe die Lösung im Askozia Forum
gefunden: Ich definiere beim Provider ein eigenes ausgehendes Wählmuster "*31*+X.". Dann achte ich darauf, das die Telefone keinen Standard-Provider haben (falls das so ist, wird nämlich das Wählmuster des Providers ignoriert).
Wie und ob man jetzt eine Unterdrückung nur für bestimmte Telefone einstellen kann, habe ich noch nicht weiter herausgefunden.
Anlagenanschluß #
Dieser Anschluß ist für eine Hauptnummer mit Durchwahlen.
Der Telefonanschluss muss mit der Signalisierung PTMP und dem Switchtype EuroISDN eingerichtet werden.
Telefone #
Eigentlich kann man beliebige VoIP-Telefone einrichten. Ich habe einige getestet und komme mit den Geräten von Snom ganz gut zurecht. Ich habe hier ein paar Grandstream-Geräte, die zwei Jahre alt sind und die grauenhaft in der Benutzerführung, schlecht übersetzt und dokumentiert sind. Ich habe mich dann dafür entschieden, einige Snom 370/375 als Arbeitstiere zu kaufen.